Trick-Tod für Dortmunds Ratten

DORTMUND Die Ratten in Dortmunds Kanalisation leben gefährlich: Drei Monate testete die Stadt Spezial-Fallen, in denen die Nager mit Bolzen erschossen wurden. Diese waren zwar erfolgreich, hatten aber einen entscheidenden Nachteil. Deshalb versucht es die Stadt nun mit einer neuen Methode. Die funktioniert mit einem simplen Trick.

Niemand weiß genau, wie viele Ratten es in Dortmund gibt. Manche Experten sprechen von rund 3,5 Millionen. Uwe Paluszak, Bereichsleiter der Stadtentwässerung, hingegen geht von einer Ratte pro Einwohner aus – das wären rund 600.000 Tiere. Um ihre Zahl zu minimieren, legt die Stadt bisher zwölf Tonnen Rattengift-Köder jährlich in der Kanalisation, in 15.000 bis 20.000 Schachtbauwerken, aus. Die jährlichen Kosten liegen bei rund 120.000 Euro.

Doch die Stadt will neue Wege in der Rattenbekämpfung gehen. Gerade erst haben Paluszak und sein Team ein Pilotprojekt zur Rattenbekämpfung abgeschlossen. Ein sehr erfolgreiches sogar: Mit Hilfe von vier Bolzenschussfallen wurden innerhalb von drei Monaten 110 Ratten in der Kanalisation unterhalb der Alten Radstraße im Unionviertel getötet. „Eine gute Trefferquote. Eigentlich sind Bolzenanlagen die idealen Geräte zur Rattenbekämpfung“, sagt Uwe Paluszak. Aber da gibt es einen Haken.

Bolzenschüsse können Explosionen auslösen

So seien die Bolzenschussfallen, erklärt Paluszak, nicht für die so genannte Explosionszone 1, die für die Dortmunder Kanalisation definiert wurde, zugelassen. Geraten zum Beispiel Gase durch einen Unfall in die „Unterwelt“, könnten diese Geräte eine Explosion auslösen. Deshalb hat Paluszak bereits ein neues Pilotprojekt im Auge. Denn umweltfreundliche Alternativen zur gängigen Rattenbekämpfung mit Giftködern direkt in der Kanalisation zu finden, ist schon lange sein Antrieb. Vielleicht, so hofft er, hat er jetzt sogar ein Verfahren gefunden, das als netten Nebeneffekt die jährlichen Kosten erheblich drosseln kann.

Ungiftige Köder werden durch giftige ausgetauscht

Der Trick der Nachfolger-Methode: Ungiftige Köder werden einfach gegen giftige ausgetauscht. Entwickelt hat die Methode und die dazugehörigen Köderschutzboxen die Firma „ball-b“ aus Nürnberg. Die Stadt Dortmund wird zu den ersten Kommunen gehören, die das neuartige Verfahren an Schadnagern testet.

„Köderschutzbox bb1401“ lautet der sperrige Name des vielversprechenden Verfahrens, das nach zweijähriger Grundlagenforschung, so berichtet „ball-b“-Geschäftsführer Jürgen Buchstaller auf Anfrage, im Februar auf den Markt kommt.

Die Ratten werden erst getötet, wenn eine ganze Gruppe angelockt wird

Und dafür haben die Erfinder gar nicht tief in die Trickkiste greifen müssen. „Die Ratten werden in den Boxen zunächst mit giftfreien Ködern angefüttert“, verrät Buchstaller. Auf diese Weise würden die Nager die Box als sicheren Futterraum akzeptieren und schließlich die ganze Gruppe zu dem guten Futter führen. Und erst dann – Achtung, Trick! – würden die giftfreien Köder gegen giftige ausgetauscht.

Der richtige Zeitpunkt zum Austausch sei dann gegeben, wenn 10 bis 15 Ratten die Futterstelle ansteuern. Die „Besucherzahlen“ werden dem Betreiber per Mobilfunk gemeldet. „Damit ist auch eine genaue Dokumentation, die das Bundesseucheninstitut verlangt, möglich. Beim bisherigen Verfahren mit den freiliegenden Giftködern können wir diese ausschließlich über den Fraß erstellen“, sagt Paluszak.

Beginn im Sommer

Weil die Boxen dicht sind – der Eingang für Ratten schließt sich automatisch –, kommt das darin ausgelegte Gift nicht mit dem Abwasser in Kontakt. „Bei einer gezielten und fachlichen Anwendung ist man dann bei null Prozent Gift im Abwasser“, erklärt Buchstaller, dessen Firma das Verfahren gemeinsam mit dem Bundesumweltamt entwickelt hat.

Uwe Paluszak hat es überzeugt. Im Sommer, so hofft er, wird das Pilotprojekt in Dortmund beginnen. Hat es Erfolg, könnten beim Einsatz der neuen Köderschutzboxen, so die Entwicklerfirma, 65 Prozent der Betriebskosten eingespart werden.

In Uwe Paluszaks Augen ist die neue Methode zur Rattenbekämpfung vielversprechend. Paluszak schätzt, dass für die Dortmunder Kanalisation rund 150 dieser Boxen benötigt werden. Kostenpunkt: knapp 60.000 Euro. Die Giftmengen könnten um bis zu 70 Prozent schrumpfen. Komplett auslöschen könne man die ungeliebten Tiere aber wohl nie.

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