Die Rattenfänger von Wertheim

Main-Echo, 02.03.2017

Schädlingsbekämpfung: Kanalkolonne setzt neues Ködersystem ein – Umweltschonender als einfaches Gift. Für die Rat­ten ist der »su­per­le­cke­re Rat­ten-Muf­fin-Sch­mac­kofatz« das Bes­te an der Sa­che. Die Men­schen schät­zen eher die un­kom­p­li­zier­te Be­sei­ti­gung der Na­ger mit dem lan­gen Schwanz. Die Stadt Wert­heim er­probt der­zeit, als ers­te Stadt im Wes­ten Deut­sch­lands ein neu­es com­pu­ter­un­ter­stütz­tes Sys­tem zur Rat­ten­be­kämp­fung. Am Mitt­woch hat die städ­ti­sche Ka­nal­ko­lon­ne das ers­te von 15 Ge­rä­ten in Der­tin­gen ein­ge­setzt.

Zur Bekämpfung von Ratten war es bislang üblich, giftige Köder in den Kanal zu werfen oder dort aufzuhängen. Ratten sind eigentlich zu clever, als das man ihnen so ernsthaft etwas anhaben könnte. Die Umweltwirkung war ebenfalls eher fatal, denn das Gift wird in der Kläranlage nicht abgebaut. Ein neues System soll nun alles besser machen.

Schon in 30 Städten eingesetzt. Petra Fürbeck vom Erfinder und Vertreiber der Köderschutzbox Ball-B hat gegenüber unserem Medienhaus erklärt, wie das neue System funktioniert. Mehr als vier Jahre Planung und Entwicklung steckten in der Ball-B-Box. In Nürnberg und Rothenburg sei es erfolgreich gestestet worden und inzwischen seit einem Dreivierteljahr auf dem Markt. Laut Fürbeck wird es bereits in 30 Städten Ostdeutschlands inklusive Berlin verwendet.

Mit den alten, wenig selektiven und wenig Umweltfreundlichen, Methoden habe man hier und da mal eine Ratte erwischt, vor allem aber auch Tausende Tonnen nicht abbaubaren Giftes in den Wasserkreislauf gebracht erklärt Fürbeck die Vorteile ihres Produktes. Das schade der Umwelt mehr als es nütze und bringe nichts, schließlich zeuge eine einzige Ratte über Kinder und Kindeskinder pro Jahr bis zu 1000 Nachkommen.

Der neue Ansatz scheint clever. Eine Kunststofftonne wird in den Kanal eingelassen. Am unteren Ende wird sie mit einem Schwimmer verschlossen. Der sorgt dafür, dass der Köder nicht feucht wird, nicht schimmelt und nicht weggeschwemmt wird. Die Ratten können am Schwimmer vorbei in die Box gelangen, wo ihnen erst einmal der, so Petra Fürbeck, »ungiftige, superleckere Ratten-Muffin-Schmackofatz« angeboten wird. Die Ratten werden regelrecht angefüttert, die Futterstelle spricht sich herum, immer mehr Tiere kommen. Wie viele, das misst ein Infrarotsensor in der Box. Die Daten werden per Funk ausgelesen und über Computer ausgewertet.

Eine gut angenommene Futterstelle wird von bis zu 50 Ratten aufgesucht. Erst wenn solch ein Peak erreicht ist, wird der Schmackofatz gegen Gift getauscht. Die an sich sehr vorsichtigen Ratten haben dann keine Chance.

Je nach Populationsdruck können die Männer der Kanalkolonne alle drei bis vier Wochen einen neuen Bekämpfungszyklus starten und mit dem interaktiven System immer wieder neue arglose Opfer in großer Zahl finden. Das Gute für die Kanalkolonne ist, dass künftig niemand mehr in die Schächte einsteigen muss. Köder und Gift werden über eine lange Stange in die Boxen eingefüllt. Nebenbei gewinnt die Kanalkolonne durch die elektronische Erfassung gute Einblicke, wie hoch die Rattenpopulation an den jeweiligen Fraß- und Messstellen ist.

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Michael Geringhoff, Main Echo 

http://www.main-echo.de/regional/kreis-main-tauber/art4003,4422198