Mit Mettener Hilfe geht’s Ratten an den Kragen

Metten. Das System ist wirklich fies, das findet auch der Macher Jürgen Buchstaller: Mit Hilfe der von ihm entwickelten Köderschutzbox, die seit einem halben Jahr serienmäßig hergestellt wird, geht es Ratten in Kanalnetzen so richtig an den Kragen. Gleichzeitig sinkt der Eintrag von Gift ins Abwasser um bis zu 70 Prozent. Ein echter Problemlöser für die Kommunen. „Eine tolle Idee und eine wichtige Sache“, stellt auch Niederbayerns Regierungspräsident Heinz Grunwald fest. Er hat gestern die Mettener Werkstätten der Lebenshilfe Deggendorf besucht, in denen Edelstahl-Ringe und -Schienen für die Köderschutzbox gelasert, geprägt und gerundet werden.

Das Geld der Steuerzahler, das in die Werkstätten investiert wird, sei auch für dieses Produkt sehr gut angelegt, so Grunwald. Zwar ist die Zusammenarbeit zwischen Jürgen Buchstallers Firma ball-b und der Lebenshilfe durch einen Zufall entstanden – heute jedoch wollen beide Seiten sie nicht missen.

Buchstaller, der in der Nähe von Nürnberg lebt, war früher in leitender Funktion im Tiefbau tätig. Die Rattenpopulationen, die in vielen Ländern große Probleme bereiten, und die Vernichtungsversuche mit Gift hat er schon lange im Auge. Vor rund vier Jahren begann die Idee zur Köderschutzbox in ihm zu reifen. Seit einem halben Jahr wird sein Produkt in Serie produziert und ist inzwischen rund 500-fach bestellt. Bisher, erklärt Buchstaller, wird das in Quaderform gepresste Rattengift immer frei in Kanalschächte gehängt. In der aufsteigenden feuchten Luft schimmelt es schnell. Die Arbeiter müssen regelmäßig in den Schacht steigen und es austauschen.

In die Schutzbox kann zwar von unten Luft hineinkommen, aber oben ist die Box zu. Mit einem Schwimmer verschließt sie sich auch von unten, wenn der Wasserstand steigt. Der eigentliche technische Clou ist der Bewegungsmelder, der anhand von Bewegung und Temperatur registriert, wann eine Ratte in die Box geht oder sie wieder verlässt. Über mobile Geräte kann das abgerufen werden, und die Köder müssen nur dann mit Hilfe der angebauten Teleskopstange ersetzt werden, wenn sie gefressen sind. Das spart den Mitarbeitern der Kommune viel Zeit und Arbeit, erklärt Buchstabier. Ein weiterer Trick: Zunächst werden nur ungiftige Köder in die Schutzbox gelegt. Die Ratten, die sich dort sattfressen, geben den anderen Tieren den heißen Futtertipp weiter. Erst wenn sehr viele von ihnen die Stelle kennen und hinkommen, gibt’s die Giftköder. So verteilen sich diese möglichst effektiv. Die Ratten sterben drei bis fünf Tage später und kein Tier bringt dieses Dilemma mit dem Gefressenen in Verbindung. Zwar werden die toten Tiere vor dem Klären aus dem Abwasser gerecht und im Sondermüll entsorgt. Aber je weniger Gift zu entsorgen ist, um so besser.

„Die Entwicklungsphase habe ich unterschätzt“, gibt Jürgen Buchstaller offen zu, der seine Köderschutzbox längst in vielen Ländern hat patentieren lassen. In China hätte er die Teile günstig produzieren lassen können, aber davon nimmt der Entwickler bewusst Abstand. Alles wird in Deutschland hergestellt, die Kunststoffteile zum Beispiel in einem Werk in Thüringen. In der Zeit, in der er über einen Hersteller für die Edelstahlteile nachgrübelte, kam er zufällig mit dem Auto an den Deggendorfer Werkstätten vorbei. Er folgte seinem Impuls und rief dort an. Das ist zwei Jahre her. Bei Lebenshilfe-Vorsitzendem Wolfgang Geier, Geschäftsführer Volker Kuppler, Mettens Werkleiter Alois Daffner, Werkzeugbau-Leiter Alfred Biebl und technischem Leiter Jochen Kraus rannte er offene Türen ein. Die passenden Werkzeuge wurden entwickelt und gebaut, und heute sind die Mitarbeiter stolz darauf, an einem solchem Projekt mitarbeiten zu dürfen.

Die Köderschutzbox hat indessen Auszeichnungen erhalten, zum Beispiel den zweiten Platz beim DECT ULE Award in Barcelona. Anfragen nach dem Produkt hat Buchstaller nicht nur aus europäischen Ländern, sondern auch aus den USA, Australien und Neuseeland. „Das Produkt ist gut und der Produktionsort ist gut“, findet Heinz Grunwald. Er weiß, dass die Werkstätten der Lebenshilfe mit High-Tech hochwertige Produkte herstellen und dabei im Wettbewerb ständig herausgefordert sind – „denn auch die Firmen, für die sie arbeiten, verschenken nichts“.

Der Standort Metten der Werkstätten, so Volker Kuppler, ist maschinengeprägt, während zum Beispiel in Deggendorf mehr zusammengebaut wird. Insgesamt, erklärte Alois Daffner, hat die Lebenshilfe Deggendorf 21 Wohn-, Förder- und Arbeitseinrichtungen. Sie betreut zurzeit 685 Menschen, von denen gut 570 in der Produktion für verschiedene Kunden arbeiten – und das an hochwertigen industriellen Anlagen.

Deggendorfer Zeitung

http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_deggendorf/deggendorf/2219341_Mit-Mettener-Hilfe-gehts-Ratten-an-den-Kragen.html

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Jürgen Buchstaller erklärt seine Köderschutzbox. − Fotos: Roland Binder