Schädlingsbekämpfung in abwassertechnischen Anlagen

 

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Veröffentlichung „KA Korrespondenz Abwasser, Abfall · 2016 (63) · Nr. 12“

Ein wichtiges Thema für alle Betreiber von Kanalnetzen ist das schwer zu kontrollierende Wachstum von Rattenpopulationen in abwassertechnischen Anlagen. Ratten finden in der Abwasserkanalisation gute Lebensbedingungen vor und sie stellen als Überträger vieler schwerwiegender Krankheiten ein im Wesentlichen hygienisches Problem dar. Die Bekämpfung von Ratten erfolgt in erster Linie mit Rodentiziden in Giftködern, bei denen Blutgerinnungshemmer (Antikoagulanzien) eingesetzt werden. Deren Wirkung tritt zeitverzögert ein, sodass die Tiere keine Köderscheu entwickeln.

Offizielle Zahlen für den Einsatz von Rodentiziden in Deutschland liegen nicht vor. So wurden aber beispielsweise in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen (ca. 300 000 Einwohner, ca. 50 000 Schächte, Fläche ca. 300 km²) im Rahmen einer Kampagne in einem Jahr ca. 15 Tonnen Rodentizide laut Angaben des Betreibers im Kanal eingesetzt. Dies erfolgt in jährlichen sich wiederholenden Maßnahmen und ist stellvertretend für viele Städte in Deutschland. Es ist zu vermuten, dass etwa 50 bis 60 % der eingesetzten Gifte auf direkten Weg in die Umwelt eingetragen wurden.

Eine neuer technologischer Ansatz der Firma ball-b aus Schwaig bei Nürnberg hilft, diese Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt zu minimieren. Dabei werden laut Hersteller bis zu 70 % weniger Rodentizide zum Einsatz gebracht (lowest-toxic strategy) und Arbeitszeiten um bis zu 65 % minimiert. Die eingesetzten Giftköder werden in der Köderschutzbox mit dem Namen bb1401EX durch ein Verschluss- und Auffangsystem vor dem Eintrag in den Abwasserstrom geschützt und bleiben somit länger verfügbar. Die eingesetzten Stoffe gelangen ausschließlich in die Schadnager.

Mit der bb1401EX erfolgt die systematische Bekämpfung und damit die Eliminierung ganzer Populationen in kurzer Zeit in der Befallszone. Hierbei unterstützt die eingesetzte Sensorik bei der Erfassung der Schadnager. Die dadurch gewonnenen Daten werden funkbasiert übertragen, ohne dass der Schacht geöffnet werden muss. Die ausgelesenen Daten werden dokumentiert und unterstützen die Einsatzplanung für die weiteren Maßnahmen wie zum Beispiel erneute Schachtbelegung, Köderwechsel und Resistenzeinschätzung. Auch ist mit der bb1401EX ein dauerhaftes Monitoring möglich, ohne dass Köder eingesetzt werden müssen. Die Köderschutzbox wird an einer Halteschiene in einem Schacht eingehängt und kann bei Bedarf, wie zum Beispiel zum Zweck von wechselnden Einsatzorten, Reparaturarbeiten im Schacht etc. schnell aus dem Schacht entnommen werden. Sie ist somit auch kein störendes Hindernis für die im Schacht arbeitenden Personen. Die Köderschutzbox ist nach ATEX (Zone 1) zum Betrieb in Abwasserkanälen zugelassen.

Die Firma ball-b hat neben der Köderschutzbox bb1401EX auch die Köderschutzbox bb1601 für die oberirdische Anwendung entwickelt. Diese unterscheidet sich zur bb1401EX darin, dass sie abschließbar gegen fremden Zugriff gesichert ist. Der Einsatz der bb1601 erfolgt an Flussauen, Seen, Unterführungen und sonstigen überflutungsgefährdeten Bereichen.

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