Viele Städte und Gemeinden müssen regelmäßig eine Ausschreibung für die Rattenbekämpfung durchführen. Aufgrund rechtlicher Vorgaben und organisatorischer Strukturen werden entsprechende Leistungen häufig an externe Dienstleister vergeben.
Damit Angebote vergleichbar sind und Maßnahmen langfristig wirksam bleiben, sollten Kommunen bei der Erstellung der Ausschreibung einige wichtige Punkte berücksichtigen. Neben fachlichen Anforderungen spielen dabei auch rechtliche Rahmenbedingungen, Dokumentation und technische Lösungen eine zentrale Rolle.
Zu Beginn einer Ausschreibung sollte festgelegt werden, welches Ziel mit der Rattenbekämpfung erreicht werden soll. Dabei geht es nicht ausschließlich um eine kurzfristige Reduktion der Population, sondern häufig um ein dauerhaftes Management von Rattenbeständen.
Typische Ziele können sein:
Eine klare Zieldefinition hilft dabei, geeignete Maßnahmen auszuwählen und die Leistung später objektiv zu bewerten.
Ein zentraler Bestandteil jeder Ausschreibung ist die genaue Beschreibung des Leistungsumfangs. Kommunen sollten möglichst konkret festlegen, welche Aufgaben durch den Auftragnehmer übernommen werden sollen. Besonders bei der Rattenbekämpfung im Kanalnetz müssen technische und organisatorische Anforderungen klar definiert werden, da hier besondere Rahmenbedingungen wie Wasserstände, Zugänglichkeit der Schächte und Arbeitsschutz berücksichtigt werden müssen.
Typische Leistungen können beispielsweise sein:
Eine präzise Leistungsbeschreibung sorgt dafür, dass Angebote besser vergleichbar sind und Missverständnisse bei der späteren Umsetzung vermieden werden.
In vielen Ausschreibungen werden zusätzlich konkrete Arbeitsschritte definiert. Dazu können beispielsweise Maßnahmen zur Verkehrssicherung, Reinigungsarbeiten an Schächten oder Auflageflächen, die Durchführung der Beköderung sowie die ordnungsgemäße Entsorgung von Köderresten gehören. Auch die Bereitstellung einer digitalen Dokumentation der Maßnahmen wird heute häufig gefordert.
Die Anwendung von Rodentiziden unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Insbesondere die EU-Biozidverordnung (EU) Nr. 528/2012, die Gefahrstoffverordnung sowie weitere nationale Vorschriften regeln den Einsatz von Biozidprodukten. Welche Anforderungen sich daraus für die Praxis ergeben, erläutern wir im Beitrag „Rechtliche und technische Anforderungen für die Rattenbekämpfung nach EU-Biozidverordnung (EU) Nr. 528/2012“.
Kommunen sollten deshalb sicherstellen, dass beauftragte Unternehmen:
Eine entsprechende Qualifikation der Dienstleister sollte bereits in den Teilnahmebedingungen der Ausschreibung berücksichtigt werden.
Darüber hinaus müssen Bekämpfungsmaßnahmen nach den Grundsätzen der guten fachlichen Anwendung (GFA) durchgeführt werden. Die GFA von Nagetierbekämpfungsmitteln mit Antikoagulanzien für geschulte berufsmäßige Verwender findet sich auf der Webseite des Umweltbundesamtes.
Eine pauschale Dauerbeköderung ohne konkreten Befallsnachweis entspricht heute nicht mehr den aktuellen fachlichen und rechtlichen Anforderungen an die Rattenbekämpfung. Der Einsatz von Rodentiziden muss sich am tatsächlichen Befall orientieren und nachvollziehbar begründet sein.
Kommunen sollten daher darauf achten, dass Maßnahmen befallsorientiert gesteuert werden. Das bedeutet, dass Bekämpfungsmaßnahmen gezielt dort erfolgen, wo tatsächlich Rattenaktivität festgestellt wurde.
Ein solches Vorgehen bietet mehrere Vorteile:
Eine zentrale Rolle spielt dabei das Monitoring. Durch geeignete Überwachungssysteme können Rattenaktivitäten frühzeitig erkannt und Maßnahmen gezielt ausgelöst werden. Wie digitale Systeme dabei helfen können, Rattenaktivitäten frühzeitig zu erkennen, zeigen wir im Beitrag „Die Zukunft der Rattenbekämpfung: Intelligentes Monitoring und digitale Lösungen“.
Neben der befallsorientierten Bekämpfung spielen auch geeignete Risikominderungsmaßnahmen eine wichtige Rolle. Dazu zählen beispielsweise der Einsatz gesicherter Köderschutzsysteme wie vernetzte Köderschutzboxen sowie Maßnahmen zum Schutz von Umwelt, Gewässern und Nichtzielorganismen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil von Ausschreibungen sind die Anforderungen an die eingesetzten Systeme und Materialien. Dazu zählen insbesondere Köderschutzsysteme, die einen sicheren Einsatz von Ködern ermöglichen.
Eine Rattenköderbox sollte beispielsweise:
Gerade im Kanal oder in sensiblen Bereichen etwa in Gewässernähe spielt außerdem der Schutz der Köder sowie des Wassers eine wichtige Rolle, um eine Freisetzung von Wirkstoffen zu verhindern. Dies ist beispielsweise mit vernetzten Köderschutzboxen möglich.
Wie solche Systeme aufgebaut sind und funktionieren, erläutern wir im Blogbeitrag „Wie funktionieren Köderschutzboxen?“.
Eine professionelle Rattenbekämpfung erfordert eine umfassende Dokumentation (interne Verlinkung zu Blogbeitrag Dokumentation) aller Maßnahmen. Kommunen sollten daher bereits in der Ausschreibung definieren, welche Informationen regelmäßig bereitgestellt werden müssen.
Dazu gehören beispielsweise:
Eine transparente Dokumentation erleichtert die Kontrolle der Maßnahmen und ermöglicht eine langfristige Bewertung der Wirksamkeit.
Neben technischen und organisatorischen Anforderungen spielt auch die Qualifikation des beauftragten Unternehmens eine wichtige Rolle. Kommunen sollten sicherstellen, dass Auftragnehmer über ausreichende Erfahrung in der professionellen Schädlingsbekämpfung verfügen.
Wichtige Kriterien können unter anderem sein:
Gerade bei Arbeiten im Kanal oder in anderen sensiblen Bereichen sind Fachkenntnisse und Erfahrung entscheidend für eine sichere Durchführung der Maßnahmen.
Dazu gehört auch die Einhaltung der geltenden Vorschriften zum Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie zum Umgang mit Gefahrstoffen. Insbesondere bei Arbeiten in Kanalschächten müssen entsprechende Sicherheitsmaßnahmen und geeignete persönliche Schutzausrüstung vorhanden sein.
Neben technischen und rechtlichen Anforderungen spielt auch die organisatorische Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Regelmäßiger Austausch zwischen Kommune und Dienstleister kann dazu beitragen, Befallsschwerpunkte frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen entsprechend anzupassen.
Nur durch eine koordinierte Vorgehensweise lässt sich die Rattenbekämpfung langfristig erfolgreich gestalten. Regelmäßige Abstimmungstermine und transparente Berichte können dabei helfen, Maßnahmen kontinuierlich zu optimieren. Mit einem WebService, über den aktuelle Ratten-Hotspots sowie durchgeführte Bekämpfungsmaßnahmen vom PC aus erkannt bzw. nachvollzogen werden können, lässt sich über Ämter und Behörden hinweg zusammenarbeiten.
Eine Ausschreibung zur Rattenbekämpfung sollte nicht nur Preise vergleichen, sondern auch fachliche Kriterien wie permanentes Monitoring, Dokumentation und geeignete Ködersysteme berücksichtigen.
Klare Zieldefinitionen, rechtliche Anforderungen, geeignete technische Systeme und eine transparente Dokumentation bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Dienstleistern. Durch strukturierte Ausschreibungen können Städte und Gemeinden sicherstellen, dass Maßnahmen wirksam, rechtssicher und nachhaltig umgesetzt werden.