Eningen Seit mittlerweile zwei Jahren kommen in der Gemeinde digitale Rattenköder-Boxen durch den Bauhof zum Einsatz. Dadurch konnte der Einsatz von Giftködern um 80 Prozent reduziert werden.
Von Natalie Eckelt
Die Box zu Jens Herolds Füßen ist ungefähr so groß wie ein 20-Liter-Eimer. „Wir haben in Eningen alle 400 Meter so eine Box im Kanalsystem im Einsatz“, erklärt der Bauhofleiter. Im Innern der Box befindet sich ein Würfel mit einem Lockstoff. „Der ist aber noch nicht vergiftet. Wir möchten erst einmal feststellen, wie viele Ratten an dieser Stelle innerhalb von zwei Wochen unterwegs sind.“
Und dabei hilft die digitale Steuerung, bei der jedes Öffnen der Klappe registriert und gemeldet wird. „Wenn wir merken, dass an dieser Stelle viele Ratten vorbeikommen, ersetzen wir den Lockstoff mit einem Gift-Würfel.“
„Die Kapseln hängen im Kanal. Sie können nicht weggespült werden und sind wasserdicht.“
Jens Herold, Bauhofleiter Eningen
Den Rekord hält eine Box mit 114 Klappenbewegungen in zwei Wochen. „Die hing in der Ortsdurchfahrt.“ Seit April 2025 sind die digitalen Rattenköder in Eningen im Einsatz.
Mit Erfolg: „Wir haben unseren Verbrauch von Gift um über 80 Prozent reduzieren können.“ Früher habe man Giftköder an einem Draht in jeden zweiten Schachtdeckel gehängt. „Bei Starkregen hat es die Köder dann oft einfach mitgerissen, was zur Folge hatte, dass wir in der Kläranlage in Pfullingen ein sehr hohes Giftvorkommen hatten.“
Besonders in der Corona-Zeit sei man auf die hohe Belastung des Wassers durch Giftstoffe aufmerksam geworden. „Damals waren ja alle Leute zu Hause und haben alle möglichen Abfälle die Toilette hinuntergespült. Daher hat man überlegt, wie man generell Giftstoffe im Wasser vermeiden kann. Die digitale Rattenfalle ist dabei ein wichtiger Baustein.“
Aber warum muss man die Population überhaupt eindämmen? „Ratten haben keine Feinde. Sie bekommen dreimal im Jahr bis zu zwölf Junge. Bekämpft man sie nicht, hat man innerhalb von drei Jahren eine unsagbare Plage.“ Im Lebensbereich der Ratten und damit auch in ihrem Fell findet man Krankheitserreger, die der widerstandsfähigen Ratte nichts anhaben können, für die Gesundheit des Menschen aber alles andere als förderlich sind. „Deshalb versucht man immer, die Population stabil zu halten.“
Ratten gebe es überall. „Meistens leben sie unter stillgelegten Industriehallen oder Garagenanlagen.“ Die Kanalisation ist ihr Straßensystem. Das höchste Vorkommen habe man in Eningen eher im Tal, wo es viele Geschäfte gibt, als an Steigungen mit Siedlungen von Einfamilienhäusern. „Durch unser modernes Leben, in dem Lebensmittel immer und überall verfügbar sind, finden Ratten leicht Nahrung, zum Beispiel in öffentlichen Mülleimern oder im Müll von Supermärkten oder Restaurants.“
Auch wenn Menschen tierische Abfallprodukte wie Knochen oder Eierschalen auf den Kompost werfen, würden Ratten angezogen. Wird eine Ratte von Bürgern gemeldet, was vier bis fünf Mal im Jahr vorkomme, gehen Jens Herold und seine Mitarbeiter der Sache auf den Grund. „Wir schauen uns den Meldeort an, ob wir etwas finden, was Ratten anzieht, wie ein neu angelegter Kompost. Dann klingeln wir und klären die Bewohner auf, wie sie sich verhalten sollten.“ Ein Trend, der gut gemeint, für die Rattenbekämpfung aber schlecht ist, ist selbstgemachtes Vogelfutter mit Schmalz. „Das riechen die Ratten aus weiter Entfernung. Besser ist es, pflanzliche Fette zu verwenden.“
Wer im Garten einen Igel füttert, müsse sich aber keine Sorgen machen. „Wenn man das Igelfutter gezielt in den Abendstunden rausstellt, ist der Igel schneller als die Ratten.“ Jens Herold ist von den digitalen Köderboxen begeistert. „Man kann sie in kurzer Zeit ins Kanalsystem klemmen. Sie können nicht weggespült werden und sind wasserdicht. So dringt kein Gift nach draußen.“
Man spare viel Geld und Zeit. Ob und wie oft sich die Klappe geöffnet hat, sieht man digital, wenn man mit dem Tablet über dem Schacht steht. „Wir müssen den Schacht nicht mehr öffnen und reinsteigen, was für unsere Arbeitssicherheit sehr gut ist.“
Eningen ist mit den digitalen Ködern gut gerüstet, wenn Mitte des Jahres eine neue gesetzliche Verordnung kommt, die es verbietet, Giftköder unabhängig vom Befall auszulegen. Vor der Intelligenz der Ratte hat Jens Herold Hochachtung. „Sie schicken meist ein schwaches Tier zum Probieren vor. Wenn das gleich stirbt, essen sie nichts. Deshalb nimmt man Gift, das erst später wirkt.“ Und zwar so: „Das Gift macht die Ratte müde, sodass sie einschläft und ihr Leben nicht qualvoll zu Ende geht.“
Die toten Ratten bekommt man fast nie zu Gesicht. „Sie ziehen sich zum Sterben zurück, sodass sie der Population nicht schaden.“ Aber auch lebendige Ratten sieht Jens Herold ganz selten. Ein Indikator dafür, dass die Rattenbekämpfung fruchtet: „Wir haben die Population gut im Griff.“
Foto: Natalie Eckelt