Revolution der Rattenjagd

Wie eine Nürnberger Firma die Rattenjagd revolutionieren will
Köder soll umweltfreundlich und mit Sensor ausgestattet sein

NÜRNBERG – Eine Firma aus Nürnberg hat eine Rattenfalle entwickelt, die eine Weltneuheit sein soll. Effizient und mit einem Bewegungssensor soll sie die Jagd nach den Tieren deutlich einfacher machen. Doch ein Experte von der Stadt hält nicht viel von dem Angebot – vor allem wegen des Preises.

BB1401 – so heißt die Köderschutzbox. Laut der Nürnberger Firma Ball-b handelt es sich um nicht weniger als eine Weltneuheit. Vor allem aus zwei Gründen: Die Box schließt sich automatisch, wenn sie mit Wasser in Berührung kommt. So wird verhindert, dass die Gifte des Köders ins Abwasser gelangen. 70 Prozent der Gifte landeten nämlich nicht im Magen von Ratten, sondern im Abwasser, so Unternehmenssprecher Reto Manitz.

Zusätzlich erlaube ein Bewegungssensor erstmals, dass Kommunen ermitteln können, wo sich Ratten schwerpunktmäßig aufhalten. Das ermögliche den gezielten Einsatz von Ködern – was die Jagd für die Stadt vergünstigen soll.

„Wir haben kaum Rattenprobleme“, sagt dagegen Volker Nachtmann. Er ist Abteilungsleiter der Abwasserableitung bei der Stadtentwässerung und Umweltanalytik Nürnberg (SUN). Von den etwa 600 Beschwerden im Jahr zum Kanalnetz beträfen nur 50 Ratten.

Vor allem der hohe Preis der Box, die 379 Euro pro Modell kosten soll, schreckt Nachtmann ab. Zwar argumentiert die Firma, dass sich dieser dank der Effizienz nach eineinhalb Jahren amortisiert. Das ist allerdings fraglich, da die Stadt aktuell nur 80 Cent für einen normalen Giftköder zahlt.

Anfang des Jahres hatten sich Bewohner aus St. Leonhard über Ratten beschwert. Wie viele der Tiere durch den Kanal huschen, weiß niemand genau. Dass Gerücht, dass es mehr Ratten als Menschen in Nürnberg gebe, hält Nachtmann allerdings für überzogen.Vorgestellt wird das Produkt auf der „Kommunale“, die am Mittwoch auf dem Messegelände beginnt. Bei der Fachmesse tauschen sich Bürgermeister, Behördenchefs und Abteilungsleiter aus ganz Deutschland aus und können sich über neue Produkte informieren.

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Nürnberger Nachrichten